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Ein digitaler Euro

In den letzten Jahren verstärkte der Hype um Kryptowährungen die Sehnsucht nach einer sicheren, zentralisierten, aber digitalen Währung. Aus diesem Grund besteht seit einigen Jahren bei den G20 das Ansinnen rund um die Einführung einer digitalen Währung. Doch was ist ein digitaler Euro und für welche Zwecke soll er genutzt werden? Ist er eine Alternative zu Bitcoin?

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Digitale Wege zur Zahlung werden längst nicht mehr nur im Internet zur Begleichung von Rechnungen genutzt. Die Möglichkeiten der elektronischen Kartenzahlung oder sogar der kontaktlosen Bezahlung mit dem Smartphone und der Smartwatch werden im Alltag von immer mehr Menschen genutzt. Gerade die jüngeren Generationen tragen nur noch selten Bargeld bei sich.

Was ist ein digitaler Euro und was sind seine Vorteile?

Die oberste Maxime der EZB beim Projekt rund um den digitalen Euro ist seine Stabilität und die Sicherheit für alle Anwender. Die Währung muss außerhalb jeglicher Kontrolle von nicht-staatlichen und privaten Organisationen sein. Außerdem muss das System für alle Bürger der Europäischen Union uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Anders als Kryptowährungen wird der digitale Euro zentral gesteuert und bringt vor allem Vertrauen und Risikominimierung mit sich. Jedoch ist er primär für direkte Bezahlung und nicht für Spekulationen und Geldanlage gemacht. Guthaben- oder Minuszinsen soll es nicht geben.

Dabei gilt es zu beachten, dass der digitale Euro keinesfalls das Euro-Bargeld ersetzen soll. Das Ziel ist es, eine ergänzende, digitale Bezahlmöglichkeit zu schaffen und einen effizienten Zahlungsverkehr zu gewährleisten. Daher können die digitalen Coins auch 1:1 in Banknoten umgetauscht werden. Ebenso kann die Einführung helfen, den ökologischen Fußabdruck des gesamten Zahlungssystems zu verringern.

Auch in Sachen Datenschutz hätte ein digitaler Euro einige Vorteile. Sämtliche Daten zur Nutzeridentität, zu den einzelnen Zahlungen und sogar die Metadaten sollen verschlüsselt und geschützt werden. Dies würde eine nie dagewesene Anonymität im regulierten Zahlungsverkehr bedeuten.

Lediglich bei begründetem Verdacht auf illegale Aktivitäten darf diese Regelung aufgeweicht werden. Geldwäsche, die Finanzierung von Terrorismus oder der Handel im Darknet können aufgedeckt werden.

Wie können Privatpersonen und Unternehmen profitieren?

Um die digitalen Coins zu speichern, müssen Privatpersonen und Unternehmen sich zunächst ein Wallet zulegen. Diese äußerst sichere, virtuelle Geldbörse wird heutzutage schon von Inhabern von Cryptocoins verwendet. Nimmt man Zahlungen vor, werden diese mithilfe einer dazugehörigen App oder Weboberfläche aus dem eigenen Wallet, in das Wallet des Käufers gesendet. Innerhalb weniger Sekunden können Zahlungen so über große Distanz und jedwede Grenzen hinweg gesendet werden. 

Insbesondere für die Wirtschaftspolitik schafft dies im Rahmen der zunehmend digitalisierten Geschäftsprozesse völlig neue Perspektiven. Mit Grenzbeträgen der digitalen Euros soll Missbrauch und einer Destabilisierung des Währungsmarktes vorgebeugt werden.

Wann wird der digitale Euro eingeführt? 

Die Entscheidung kann nicht von einem Land allein getroffen werden. Eine entsprechende Grundlage muss im EU-Recht verankert werden. Dementsprechend wird es den digitalen Euro nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre geben. 

Eine erste Untersuchungsphase wurde im Sommer 2021 gestartet und ist für 2 Jahre angesetzt. Die Gruppe beschäftigt sich primär mit den Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen und der Konkretisierung des Plans. Derzeit wird unter anderem geprüft, wie die digitalen Coins bereitgestellt und gespeichert werden können. Von zentralisierten bis dezentralisierten Lösungen werden alle Möglichkeiten der Infrastruktur in Betracht gezogen. 

Darauf aufbauend muss der EZB Rat die vorliegenden Informationen auswerten und das weitere Vorgehen beschließen. Fällt das Votum positiv aus, kann man anschließend mit dem Start technischer Entwicklungen und ersten Feldstudien rechnen.

Die Rolle der EZB

Als Europäische Zentralbank sind die Gremien und Mitarbeiter rund um die Chefin Christine Lagarde selbstverständlich in die Vorgehensweise involviert. Wie auch andere Geldbestände sollen alle digitalen Zentralwährungen durch die EZB ausgegeben und kontrolliert werden. Die Aufgabe ist kein leichtes Unterfangen, denn die Zeit rast.

Was heute vor 5 Jahren noch undenkbar war, ist nun bereits Wirklichkeit. Schon jetzt werfen Unternehmen ihren Blick in die Zukunft und setzen auf Smart Contracts sowie Augmented und Virtual Reality. Die Entwicklungen schreiten schneller voran, als neue Regularien und Feldstudien umgesetzt werden können.

Länder wie China, Schweden, Norwegen, Russland und die USA befinden sich ebenfalls inmitten der Entwicklung einer digitalen Währung oder haben diese erfolgreich umgesetzt. Im Februar diesen Jahres wurde der e-Yuan freigegeben, mehr als 150 Millionen Menschen nutzen ihn, um Geldgeschäfte abzuwickeln. Datenschutztechnisch ist diese digitale Währung allerdings mehr als umstritten.

Es ist ein Balanceakt, den richtigen Grad an Anonymität, Hochverfügbarkeit und richtiger Technologie zu finden. Man darf also gespannt sein, ob und in welcher Form ein digitaler Euro in Zukunft unser Zahlungsmittel der Wahl wird.